Künste Asiens 7 h agoZu Lesezeichen hinzufügen

Die Halbinsel Ise-Shima (伊勢志摩) im Süden Japans ist seit Jahrhunderten ein Ort, an dem sich die Riten des Shintoismus mit den Zyklen des Lebens verbinden. Eine Kunst der Langsamkeit, die man, auch aus der Ferne, übernehmen kann.
Am Rande der Ise-Bucht, in der Präfektur Mie, erhebt sich Ise-Jingū (伊勢神宮), einer der verehrtesten Schreine des Shinto. Er ist der Sonnengöttin Amaterasu-Ōmikami (天照大御神) gewidmet. Es handelt sich weder um ein spektakuläres Monument noch um einen redseligen Ort. Der Pilger gelangt durch einen Waldweg dorthin, durchschreitet ein hölzernes Torii, überquert eine Brücke über den Isuzu-Fluss und verneigt sich. Er wird das Herz des Schreins nicht sehen - es ist verborgen, gepflegt und wird alle zwanzig Jahre nach dem Ritual des Shikinen Sengū (式年遷宮) erneuert.
Umgeben von der Halbinsel Ise-Shima mit ihren zerklüfteten Küsten, feuchten Wäldern, Reisfeldern und Perlenfarmen hat sich hier ein Lebensstil entwickelt, der auf einer tiefen Aufmerksamkeit für den Rhythmus der Jahreszeiten basiert.
Der traditionelle japanische Kalender unterteilt das Jahr in 24 Sekki (節気), die wiederum in 72 Kō (候) unterteilt sind, also eine Mikro-Jahreszeit alle fünf Tage. Jede trägt einen erstaunlich präzisen Namen:
Diese Einteilung ist kein poetisches Spiel; es ist ein Beobachtungssystem, das über Generationen von Bauern und Mönchen geschmiedet wurde. Es zwingt einen, das zu betrachten, was sich jetzt ändert, nicht letzte Woche, nicht nächste Woche.
Ein zeitgenössischer Pilger folgt oft diesem Weg:
Keine Leistung. Kein Klischee. Einfach Aufmerksamkeit.
Das japanische Wort Junrei (巡礼) bezeichnet die Pilgerfahrt. Seine Wurzel bedeutet „die Runde“: Man stürmt nicht auf einen Zielpunkt zu, man macht die Runde um einen Ort und damit auch um sich selbst. In Ise versteht man das physisch: Der Schrein hat kein sichtbares Inneres. Wichtig ist der Weg, der Schritt, die Gegenwart.
Man braucht kein Ticket nach Japan. Man kann:
Dieser Umgang mit der Zeit - langsam, zyklisch, sinnlich - bringt oft ein Gefühl von Ruhe und Verankerung. Er ersetzt weder eine psychologische Begleitung noch eine medizinische Behandlung, wenn man eine schwierige Phase durchlebt.
Zusätzlich, nicht ersetzend - konsultieren Sie einen Gesundheitsdienstleister, wenn Sie unter Angst oder Erschöpfung leiden.
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