Klänge & Musiktherapie just nowZu Lesezeichen hinzufügen

Mund geschlossen, ein sanfter Klang, der in der Brust und im Schädel vibriert: das Summen, eine einfache Klanghandlung, die in fast allen Kulturen vorhanden ist.
Lippenlos summen ist vielleicht die universellste Klanghandlung: die Mutter, die ihr Kind wiegt, der Handwerker, der über seiner Arbeit gebeugt ist, die Nachbarin, die ihre Wäsche aufhängt. Ein Mmm, das in der Brust aufsteigt und irgendwo zwischen dem Brustbein und der Stirn vibriert. Man tut es, ohne nachzudenken - genau das macht es wertvoll.
In der zeitgenössischen Sprache der Klangentspannung spricht man von Humming. In der indischen Tradition des Pranayama spricht man von Bhramari - benannt nach der Hummel, deren Vibration man nachahmen möchte. Die Geste ist dieselbe: durch die Nase einatmen, dann lange ausatmen, während man einen kontinuierlichen Ton erzeugt, ohne zu zwingen, den Mund geschlossen haltend.
Beim ersten Ausatmen spürt man oft nicht viel. Beim dritten oder vierten Mal beginnt die Vibration, sich bemerkbar zu machen: Sie füllt die Brust, steigt in den Hals, hallt manchmal in den Nasennebenhöhlen, an der Nasenwurzel wider. Manche Menschen spüren sie sogar hinter den Ohren, im Schädel.
Es ist nicht magisch. Es ist einfach das, was ein nachhaltiger Klang bewirkt: Er bringt die Körperhöhlen, die ihn aufnehmen können, zum Schwingen. Viele Praktizierende sagen, dass sich die Aufmerksamkeit wieder zentriert, dass der Geist verlangsamt, dass sich etwas beruhigt - und das ist schon genug, um das Ritual zu rechtfertigen. Es gibt eine entstehende wissenschaftliche Literatur über die Auswirkungen des Bhramari auf die Herzfrequenzvariabilität und den parasympathischen Tonus, aber sie bleibt bescheiden und die Studien sind klein: Sie sind als Hinweis zu betrachten, nicht als Beweis. Summen ist keine medizinische Behandlung. Es ist eine Lebensart, eine Art, nach Hause zu kommen, durch die Stimme.
Es ist rührend zu entdecken, dass eine so banale Geste - dieses kleine Lied mit geschlossenen Lippen, das man macht, wenn man nach seinen Schlüsseln sucht - auch eine Praxis ist, die seit Jahrhunderten in Indien gelehrt, in Klöstern meditiert und heute in den Klangtherapie-Kabinetten wiederentdeckt wird. Das Summen verlangt nichts: kein Objekt, kein Kissen, keine Anwendung. Nur die Stimme, die man schon hat, und ein wenig Zuhören.
Vielleicht ist das, was es zu einem so passenden Abendritual macht. Wenn die Bildschirme ausgeschaltet sind, bleibt dieses Mmm in der Brust - und manchmal reicht das.
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Univers sonore — écoute, vibration, rituels