432 oder 440 Hertz - was sagt diese Frequenz wirklich, von der so viel die Rede ist?

In dieser Reihe : Univers sonore — écoute, vibration, rituels· Schritt 7/8

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432 oder 440 Hertz - was sagt diese Frequenz wirklich, von der so viel die Rede ist?
Illustration : Mei Arakawa

Zwischen esoterischer Legende, musikalischer Akkordwahl und gemessener Forschung: Was man über die Frequenz 432 Hz sagen kann - und was man relativieren muss.

Eine Geschichte der Abstimmung, kein Mysterium

Heute, wenn sich ein Orchester stimmt, nimmt es als Referenz ein A bei 440 Hz. Dieser Wert wurde 1955 zur internationalen Norm (ISO 16), bestätigt 1975: Es ist eine Konvention, keine physikalische Wahrheit. Vor diesem Datum variierten die Abstimmhöhen erheblich je nach Epoche, Region, Instrument. Im 17. Jahrhundert in Frankreich konnte das A bei etwa 392 Hz liegen; in Wien im 19. Jahrhundert stieg es höher, zwischen 435 und 445 Hz. Jeder Stimmgabel war eine ästhetische und praktische Wahl - eine Antwort auf die Stimmen, die Instrumente, die Säle.

432 Hz gehört zu dieser Familie der etwas tieferen Abstimmungen als der aktuelle Standard. Es ergibt ein A, das etwas tiefer ist, und daher einen allgemeinen Klang, der etwas sanfter, etwas gedämpfter ist - besonders wahrnehmbar bei Saiteninstrumenten.

Woher kommt die Legende?

Die Idee, dass 432 Hz "die natürliche Frequenz", "die Frequenz des Universums", "die heilende Frequenz" sei, entstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, getragen von esoterischen Bewegungen. Man brachte Pythagoras, die heilige Geometrie, Verdi, die goldene Zahl ins Spiel - meist ohne solide historische Grundlage. Der italienische Komponist Verdi setzte sich tatsächlich am Ende seines Lebens für ein tieferes A als das seiner Zeit ein, aber er schlug 432 Hz aus vokalen Gründen vor, um den Sängern zu schonen, nicht wegen einer kosmischen Eigenschaft.

Seitdem findet man auf Video-Plattformen Dutzende von Aufnahmen "in 432 Hz", die als beruhigend oder sogar therapeutisch präsentiert werden. Kein wissenschaftlicher Konsens bestätigt diese besonderen Eigenschaften. Einige Studien existieren - die ein und dasselbe Stück bei 432 Hz und 440 Hz vergleichen - aber sie sind selten, klein, methodisch fragil. Manchmal beobachtet man eine subjektive Präferenz für die tiefere Version, ohne einen spezifisch für diese Frequenz messbaren biologischen Effekt.

Mit anderen Worten: Was die Forschung derzeit zeigt, ist, dass sanfte Musik entspannt - unabhängig von der genauen Frequenz ihrer Stimmung.

Was man legitim sagen kann

  • Eine tiefere Stimmung wird oft als sanfter empfunden: Es ist ein akustisches und ästhetisches Phänomen, das in der gesamten Musikgeschichte vorhanden ist.
  • 432 Hz klingt etwas anders. An einer Gitarre, an einem Klavier ist der Unterschied hörbar, wenn man genau hinhört. Auf einer gut gemischten Aufnahme ist er oft subtil.
  • Der Hörkomfort hängt von enorm vielen anderen Faktoren ab: Tempo, Harmonie, Dynamik, Klangfarbe der Instrumente, Lautstärke, akustischer Raum - alles viel entscheidender als die genaue Frequenz der Stimmgabel.
  • Keine Frequenz ist eine Heilung. Weder 432, noch 528, noch irgendein anderer Wert, der als "wunderbar" beworben wird. Musik kann einen Zustand der Entspannung begleiten; sie ersetzt keine medizinische Betreuung.

Wie man ehrlich experimentiert

Wenn Sie neugierig sind, ist die beste Methode, sich Ihre eigene Meinung zu bilden:

  1. Suche nach einem Stück, das von derselben Gruppe bei 432 Hz und 440 Hz interpretiert wird (einige Labels bieten dies explizit an). Ideal ist eine aktuelle Aufnahme, gut aufgenommen, vergleichbar.
  2. Höre jeden unter denselben Bedingungen: dieselben Kopfhörer, dieselbe Lautstärke, dieselbe Tageszeit. Kein Video daneben, kein Kommentar, der vorher gelesen wurde.
  3. Notiere ehrlich, was du fühlst - ohne zu versuchen, das zu finden, was dir jemand versprochen hat. Vielleicht spricht eine der beiden Versionen dich mehr an. Vielleicht ist der Unterschied gering. Beide Antworten sind gültig.
  4. Vorsicht vor Aufnahmen "Ambient 432 Hz", die synthetische Klangteppiche und großartige Behauptungen überlagern: Es ist kein Experiment mehr, es ist Marketing.

Ein mögliches Hörritual

Anstelle einer universellen Wahrheit gibt es eine einfache Praxis. Wählen Sie ein Stück, das Sie mögen, unabhängig von seiner Abstimmungsfrequenz. Setzen Sie sich hin. Schließen Sie die Augen. Atmen Sie beim Ausatmen etwas länger als beim Einatmen. Hören Sie die ersten fünf Minuten, ohne etwas anderes zu tun. Kein Telefon, kein Bildschirm, keine parallele Aufgabe.

Was beruhigt, ist in der Musik fast nie die genaue Frequenz des A - es ist die Qualität der Aufmerksamkeit, die man ihr schenkt.

Diese Hinweise sind eine Lebensart um den Klang herum, keine Behandlung. Bei Schlafstörungen, anhaltender Angst oder Schmerzen einen Gesundheitsdienstleister konsultieren.

Eine Zahl, die wieder eingesetzt werden muss

Der 440 Hz als internationale Referenz stammt aus dem Jahr 1955 (ISO 16). Vor diesem Datum hatte jedes Orchester, jede Epoche seine eigene Abstimmhöhe - oft tiefer. 432 Hz ist weder

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Yuna SatoSonotherapeut
Erforscherin von beruhigenden Klängen: Klangschalen, Frequenzen, Atmosphären.
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