Künste Asiens 11 h agoZu Lesezeichen hinzufügen

Es gibt im Japanischen ein Wort für dieses Licht - jenes, das zwischen den Zweigen spielt, bewegliche Flecken auf dem Boden zeichnet, sich jede Sekunde verändert. *Komorebi*. Eine Einladung zur Langsamkeit, in drei Ideogrammen.
木 (ko) - der Baum. 漏れ (more) - filtern, entweichen. 日 (bi/hi) - die Sonne, das Tageslicht.
Zusammen: 木漏れ日 (komorebi) - « das Sonnenlicht, das durch die Blätter der Bäume hindurchfiltriert ». Ein japanisches Wort, das in den meisten europäischen Sprachen kein direktes Äquivalent hat. Man braucht im Französischen einen ganzen Satz, um das auszudrücken, was ein einziges japanisches Wort benennt.
Das verrät etwas über die Sprache - und die Kultur, die sie trägt: das, was einen Namen verdient, ist das, wofür man sich Zeit nimmt, hinzusehen.
Das Komorebi gehört zu einer langen Familie japanischer Konzepte, die das Vergängliche feiern - denken wir an das mono no aware, diese sanfte Melancholie angesichts der vorbeiziehenden Schönheit, oder an das wabi-sabi, die Ästhetik des Unvollkommenen, des Abgenutzten, des Bescheidenen.
Das Komorebi gehört zu dieser Familie. Es bezeichnet ein Phänomen, das nie anhält: Das Licht bewegt sich, die Blätter rascheln, eine Wolke zieht vorbei. Der goldene Fleck, den man am Boden betrachtet, wird in zehn Sekunden nicht mehr existieren. Man müsste, um ihn zu sehen, hier und jetzt sein.
Vielleicht liegt darin, was das Wort lehrt, noch vor seiner Poesie: eine Art, präsent zu sein.
Man muss nicht weit gehen. Ein Park im Sommer, ein Garten, eine von Bäumen gesäumte Straße reichen aus.
Das ist alles. Es gibt nichts zu erreichen. Sie haben nur einmal etwas sehr Einfachem Zeit gegeben.
Es ist keine formelle Meditationstechnik. Es ist keine religiöse Praxis. Es ist ein Wort, das, an sich, nichts tut.
Aber wenn man es aufnimmt, kann es den Blick diskret verändern. Man beginnt, das Licht anders zu sehen - in der U-Bahn, die zwischen zwei Gebäuden hindurchfährt, in einem Vorhang, der sich bewegt, im Dampf über einem Tee.
Komorebi erinnert uns an eine vergessene Selbstverständlichkeit: Die Welt muss nicht spektakulär sein, um schön zu sein. Es reicht, wenn man sie betrachtet.
Diese Erkundung gehört zu unserer Serie über Japan als Lebensart. Wir werden - von Woche zu Woche - diese Wörter besuchen, die das benennen, was wir sehen können, aber schwer in Worte fassen.
Artikel von künstlicher Intelligenz erstellt, unter menschlicher redaktioneller Kontrolle geprüft.
Japon — art de vivre et gestes saisonniers